3.3. | Erinnerungen eines Zeitzeugen an seine aktive Zeit 1950 bis 1965

Die nachfolgenden Erinnerungen enthalten u. a. den Auf – und Abstieg 1956/1957, die Einweihung der „Recknitz-Kampfbahn“ 1957, besondere Spiele und Ereignisse.

Es sind Erinnerungen von Ernst-August Dahl, der in dieser Zeit selbst aktiv in den Männermannschaften spielte. Zusammen mit drei weiteren Jungs gleichen Alters durchliefen sie die Jugend- und Männermannschaften der BSG Traktor Laage. Alle vier sind vielleicht besser bekannt unter „Schluck“ Gaevert, „Schecker“ Ahrens, „Ludden“ Krüger und „Pauken“ Dahl.

Vor Beginn ihrer aktiven Zeit war es die Schule, die ihnen den Weg zum Fußball ebnete, denn erst über die Klassen- und Straßenmeisterschaften in den Jahren 1946 bis 1950 gelangten sie in die Jugendmannschaften der BSG Traktor Laage. (siehe dazu auch noch den folgenden Abschnitt: „Die Jugend drängt nach vorn“.)

Als Vorbilder galten damals für uns die bereits zu Beginn dieses Abschnitts genannten Fußballer und besonders auch die nachfolgenden Freunde und ehrenamtlichen Helfer des Fußballs, wie u. a.:

  • Friedrich Präger aus der Pfarrstraße, im privaten Leben als Briefträger tätig und im Verein als unentbehrlicher Ballwart wirksam,
  • Fritz Bartels,
  • Bruno Stutzke und Willi Milhahn als eifrige Kassierer, letzterer später auch als Sektionsleiter tätig und
  • Franz Awe, Karl Rachow, Ernst-Otto Thode als Mannschaftsbetreuer.

In diese Gemeinschaft wurden wir damals aufgenommen, eine Gemeinschaft von hohem Wert und Beständigkeit. In und mit dieser Gemeinschaft erlebten wir besondere Spiele, Feste und unvergessliche Erlebnisse. An Festtagen, vornehmlich im Frühjahr, zu Ostern und Pfingsten, fuhren die Männermannschaften sehr gerne in andere Städte, um dort dann Fußball zu spielen und sich aber auch zu amüsieren.

An einige Reisen dieser Art soll nachfolgend erinnert werden:

Die Reise nach Gramzow 1950. Es war Himmelfahrtstag als sich zwei Männermannschaften und eine Jugendmannschaft auf den Weg nach Gramzow an die polnische Grenze begaben, um dort Freundschaftsspiele auszutragen. Die Reise war sehr beschwerlich. Ein Reisebus stand uns nicht zur Verfügung und es herrschte eisige Kälte. Da kam uns dann ein großer mit Holzgas fahrender LKW sehr gelegen. Denn wer in der Nähe des Kessels saß, der hatte es gemütlich warm. Das Besondere an dieser Reise war, dass mein Bruder, Karl-Heinz Dahl, gerade aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war und wieder dabei war. Zum Bedauern der älteren Spieler blieb es aber nur bei diesem einmaligen Auftritt, denn er verließ alsbald wieder Laage, da er in Burg bei Magdeburg kurzfristig eine Bäckerei übernahm. An den Ausgang der Spiele kann sich heute kaum noch jemand erinnern. Nur dass wir als Jugendmannschaft damals 2:2 spielten, daran kann ich mich noch genau erinnern.

Die nächste erlebnisreiche Reise führte uns nach Roßla am Kyffhäuser im Juli 1954. Es war am 04.07.1954, und zwar genau an dem Tag, als die BRD in der Schweiz Weltmeister wurde. Genau zur gleichen Stunde spielten wir in Roßla gegen die dortige Mannschaft. Im Laager Regionalanzeiger im Jahre 2014 erinnerte ich an dieses Ereignis. In der Ausgabe 08 schrieb ich damals folgendes:

Vor 60 Jahren eroberten Laager Fußballer den Kyffhäuser
„Es war am 04.07.1954, zu dem Zeitpunkt als Deutschland in der Schweiz das Endspiel gegen Ungarn mit 3:2 gewann, als die erste Fußballmannschaft der BSG Traktor Laage in Roßla am Fuße des Kyffhäusers ein Fußballspiel gegen die dortige Mannschaft bestritt. Das Endspiel in der Schweiz und unser Spiel fanden zeitgleich statt. Unser Torwart „MännerFlohr“ informierte uns aktuell über den Spielstand in Bern, da er die Radioübertragung aus dem Vereinshaus gut mithören konnte.
Unser Spiel endete damals mit 4:2 Toren für uns. Während sich unsere Reise mit diesem Spiel bereits dem Ende näherte, hatten wir einen Tag vorher schon ein riesiges Erlebnis, und zwar war es der Ausflug zum Kyffhäuserdenkmal. Allein die Anfahrt auf den Berg war schon ein ganz großes Erlebnis, darunter war unter anderem eine Serpentinenfahrt mit 36 Spitzkehren auf rund 6 km Länge. Doch ein einheimisches Busunternehmen fuhr uns sicher nach oben und auch wieder sicher zurück. War die Auffahrt schon recht spektakulär, so war der Anblick des Denkmals und die Rundumsicht dort oben phantastisch. Das 81 m hohe Denkmal wurde 1890 bis 1896 zu Ehren von Kaiser Wilhelm dem Ersten errichtet. Es ist neben dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Teutoburger Wald das drittgrößte Denkmal Deutschlands. Obwohl die Besinnung auf den Kaiser bei uns kaum Emotionen hervorrief, war jedoch der Anblick des in Stein gehauenen Kaisers Friedrich Barbarossa mit seinem langen Bart und mit einem Zepter in der Hand erhebend. Von seinem Sitz aus und von der Plattform des Denkmals kann man weit in die „Goldene Aue“ schauen, in eine fruchtbare Ackerlandschaft aus rotem Lößboden. Auch der Harz mit dem Brocken erhebt sich vor unseren Augen.
Einige Jahre später wurde in der Nähe des Denkmals noch ein Fernsehturm errichtet, auf dessen Aussichtsplattform dann noch eine größere Rundumsicht möglich wurde. Mit unserem Fußballspiel in der Stadt Roßla, mit dem Ausflug zum Kyffhäuserdenkmal und mit einem uns zu Ehren veranstalteten Sportlerball verabschiedeten wir uns und fuhren per Bahn nach Hause zurück.”

An dieser Reise nahmen damals folgende Sportfreunde teil:
Eberhart Brockmann, Ernst – August Dahl, Bruno Stutzke, Karl – Heinz Glowczak, Horst Kellermann, Helmut Günzel, Gerhard Diebenkorn, Rudi Holzmann, Fritz Bartels, Franz Awe, Günter Nack, Gerhard Jungerberg, Jürgen Kellermann, Hans-Joachim Roß und „Männer“ Flohr. Zur Mannschaft gehörte auch noch Heinz Pischke.

Die nächste Reise ging Pfingsten 1958 nach Plön in Schleswig-Holstein. Es war eine Rückspielverpflichtung vom Jahr zuvor. Die Mannschaft aus Plön weilte 1957 anlässlich unserer Sportplatzeinweihung in Laage. Zum Spiel nach Plön ging es per Bahn mit einer relativ großen Delegation, denn wir brauchten zur damaligen Zeit nur gültige Personalausweise, um die „innerdeutsche Grenze“ zu passieren. Sie war noch derart „löchrig“, dass sogar ein Spieler mit List und Tücke, ohne Pass durchkam. Aber was viel wichtiger war, es war keiner drübengeblieben und wir hatten das Spiel nicht verloren. So stimmte wenigstens alles bei den Behörden. Das Spiel endete übrigens 3:3. Am Pfingstmontag machten wir alle gemeinsam auf dem Plöner See noch eine wunderbare Bootsfahrt bei herrlichem Wetter und bei guter Stimmung. Am Spätnachmittag fuhren wir dann mit dem Zug über Lübeck und Hagenow-Land wieder in Richtung Heimat.

Erlebnisreich war auch unsere Reise nach Berlin an den Osterfeiertagen 1961. In diesem Jahr folgten wir einer Einladung des Vereins „Empor Brandenburger Tor“ nach Berlin. Der einladende Verein hatte unsere I. Männermannschaft zu einem Viererturnier eingeladen. Dazu kamen Mannschaften aus Rixdorf/ Westberlin und Wedel bei Hamburg. An den Ausgang des Turniers kann ich mich nicht mehr erinnern. Turniersieger wurden wir jedoch nicht. Anstelle der vergessenen Spielergebnisse sind aber einige Erlebnisse in Erinnerung geblieben, über die wir uns immer wieder gerne unterhalten. So u. a. über den abendlichen Besuch in „Clärchens Ballhaus“, ein Tanzlokal mit einem damals noch ganz besonderen Altberliner Flair. Eine mittelgroße Tanzkapelle, etwa so wie das heutige Palastorchester mit Max Raabe, nur etwas kleiner in der Besetzung, spielte zum Tanz. Tischtelefone und „Eintänzer“ animierten zum Tanz. Das waren für uns, aus der Provinz kommend, doch ziemlich unbekannte Dinge. Besonders für die jungen Spieler, die ohnehin nur mit Bestechung der Türsteher ins Lokal geschleust wurden, waren es ungewöhnliche Verhältnisse. Mit dem damals im Angebot befindlichen Getränk „Nikolaschka“, eine Mischung aus Wodka und Ananas, gelang es den älteren Spielern, uns jungen „Knirpse“ über die Türschwelle zu schleusen. Für den jungen Teil der Mannschaft verlief der Abend dann doch enttäuschend, denn die Atmosphäre war uns einfach zu ungewohnt.  Tanzabende in Laage, ob im Konsumsaal oder unten in „Stadt Brandenburg“, waren für uns doch einfacher zu bewältigen.

Während unseres Aufenthaltes in Berlin besuchten wir auch den „Ku‘damm“ in Westberlin. Im Kinopalast am Bahnhof Zoo spielte der Film „Ben Hur“, den wir gerne besucht hätten, denn wir hätten uns auch gerne ein bisschen aufgewärmt, da Schneeregen uns begleitete und die „anbehaltenen Schlafhosen“ nicht ausreichten, uns warm zu halten. Aber die Zeit reichte für einen Filmbesuch ohnehin nicht aus.

Die Heimfahrt bleibt ebenfalls unvergessen, denn heimlich hatten einige Spieler den Mannschaftskoffer zusätzlich mit Hanteln beschwert, die sie aus dem Fitnessraum unserer Unterkunft haben mitgehen lassen. Da wir in Zeitnot waren, kürzten wir den Weg zur Straßenbahnhaltestelle ab. Anstelle eines befestigten Weges liefen wir über eine durchweichte Rasenfläche, die natürlich den Kofferträgern zu schaffen machte. Obwohl es einige ganz gelassen hinnahmen, waren andere doch recht böse. Zu denen die böse und aufgebracht waren zählte unser „Kino Milhahn“. Na ja, es war ja auch nicht die feine Art, wie einige von uns sich über andere lustig machten. Erst im Zug löste sich das Rätsel über die Schwere des Koffers.

Als ein wunderbares Ereignis erwies sich auch die im Sommer 1963 organisierte einwöchige Urlaubsreise nach Dresden und Prag. Es war eine Reise ganz anderer Art, denn in den Besuchsorten fanden keine Fußballspiele statt. Dafür gab es für die Teilnehmer ein anspruchsvolles Kulturprogramm. Die „Reisemannschaft“ setzte sich aus interessierten Spielern der Männermannschaften, deren Ehefrauen und aus Gästen des Vereins zusammen.

In Dresden gab es eine große Stadtführung zu den Sehenswürdigkeiten, wie u.a. den Zwinger und eine Besichtigung des „Grünen Gewölbes“. Auf der Fahrt nach Prag besuchten wir das Konzentrationslager Theresienstadt. Mit einer Gedenkveranstaltung gedachten wir der vielen Opfer. Die daraufhin eingetretene gedämpfte Stimmung löste sich erst wieder in Prag.

Eine nette Stadtführerin und auch einige „Budweiser“ sorgten für eine angenehme Stimmung bei der Besichtigung der Prager Sehenswürdigkeiten, wie z. B. den Wenzelsplatz, die Karlsbrücke, das Altstädter Rathaus und den Hradschin mit der Prager Burg. Als Dank für ihre gute Führung sang der „Laager Fußballchor“, dirigiert von „Guschi“ Zarmsorff, das Lied „Sah ein Knab ein Röslein stehn“. Sie war danach zu Tränen gerührt. Auch ein zünftiger Bierabend mit Blasmusik durfte natürlich nicht fehlen. Alle Fußballfreunde waren erfreut über diese so erfolgreiche schöne Urlaubswoche. Dazu einige Bilder auf der folgenden Seite und im Anhang zu diesem Abschnitt.

Urlaubsreise 1963:

Fotosammlung Hopp
obere Bilder: Gedenkstätte in Theresienstadt, der Wenzelsplatz in Prag.
mittlere Bilder: Rathausuhr in Prag und die gesamte Reisegesellschaft.
untere Bilder: Links der von Gustav Zarmstorff dirigierte „Chor“.
rechtes Bild: Die Fußballer Horst Dohse und Dieter Pieplak 

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